Mühlen im Brohltal (Brohlbach und Nebenflüsse)
Anlässlich einer Ausstellung in der Mosens-Mühle im Jahr 2023 suchte der Brohler Kulturverein nach Exponaten für die Ausstellung und sammelte darüber hinaus reichlich Informationen zur Geschichte der Mühlen.
Die Veranstaltung selber und die dort entstandenen Fotos sind in der Rubrik VERANSTALTUNGEN – AUSSTELLUNGEN auf dieser Internetseite zu finden.
Es liegt in der Natur der Sache, dass wir nicht für alle Mühlen gleichwertige Informationen finden konnten. Auch sind wir nicht bei allen Mühlen mit der Suche nach Gemälden, Fotos und Ansichtskarten fündig geworden. Wir arbeiten aber weiter an dem Thema und aktualisieren diese Seite laufend. So konnten z.B. weitere Mühlen wie die in Wehr ergänzt werden.
Nachstehend geben wir eine Beschreibung zu jeder „unserer“ Mühlen. Die angebrachte rote Ziffer vor der Beschreibung kennzeichnet die Mühle und ordnet sie dem Standort auf der folgenden Karte zu. Wir beginnen an der Brohlbachmündung und bewegen uns flussaufwärts, entlang der Karte, deren Original sich dauerhaft an der Mosenmühle befindet.

Erste Brohler Mühlen
Die älteste Erwähnung einer Mühle „Op de Broel“ ist datiert auf das Jahr 1366. Eine weitere Überlieferung stammt aus dem Jahre1457, als eine Familie der Herren von Schmidtbergh (sesshaft auf der Schweppenburg) mit dieser Mühle „Op de Broel“ belehnt wurde. Es dürfte sich dabei um Getreide und/oder Ölmühle gehandelt haben, deren Standort nicht bekannt ist.
1 Brohler Traßmühlen
Im Laufe der Jahrhunderte werden verschiedene Mühlen und Mühlenbesitzer in der Literatur und alten Schriftstücken erwähnt. Die Mühlen befanden sich am Unterlauf des Brohlbaches nahe der Mündung. Durch Hochwasser und äußere Einwirkungen kam es mehrfach zu Zerstörungen, die Neubauten oder Wiedererrichtungen erforderlich machten.
1a) Im Jahr 1609 erhielten Adam von Sevell und Konsorten durch die Herzöge (Grafen) von Jülich, sowie der Fürstäbtissin zu Essen, die Erlaubnis eine Mühle zu errichten. Man verarbeitete hier vornehmlich unsauberen, sog. Berg-Trass aus dem „Lammertal“ und der „Trasskaul“. Schließlich 1611 konnte diese sogenannte Schrottelmühle am Brohlbach in Betrieb genommen werden. Es handelte sich also um eine Trassmühle. Nach Ablauf der Pachtzeit wird Dietrich von Braunsberg, Herr zu Burgbrohl, 1621 der neue Pächter. 1659 wird die Mühle an den Grafen von der Leyen übertragen, der wiederum die Mühle an den Hofrat von Sohler verlehnte.
1b) In der Zeit von 1682 – 1684 erfolgte durch Bernt (= Bernhard) von Santen (Xanten), einem holländischem Kaufmann aus Dortrecht, ein Mühlenneubau als Ersatz für die alte Schrottelmühle. Die Mühle verarbeitete überwiegend den Tuff aus dem Lammertal. Einige Jahrzehnte schaffte es von Santen, den Großteil der Traßexporte aus dem Brohltal zu kontrollieren. Der wachsende Konkurrenzdruck führte aber 1738 dazu, die Mühle in Brohl stillzulegen.

Quelle und Foto:C.B. Hommen „Geliebte Heimat zwischen Laacher See und Goldener Meile“ Der Mühlenstandort den der hochgeschätzte C.B.Hommen in seiner Veröffentlichung mit Bucht im Brohler Nippes angibt ist strittig.
Aus gleicher Quelle stammt die fogende Zeichnung, die uns den Standort der Mühle an anderer Stelle zeigt. Am unteren Ende der Grafik die zeichnerisch gestaucht wurde, ist die Mühle auf der rechten Brohlbachseite zu erkennen, und als „Trassmühle Graf v. Jülich“ bezeichnet.

Im weiteren Zeitverlauf findet man den Brohler Ortsvorsteher Peter Wihl als deren Verwalter und ca. 1810 galt die Mühle als zu Grunde gerichtet, wie es der Käufer des Geländes, Dominicus Zervas glauben machte.
1c) Zervas erwarb mehrere Grundstücke in der Gemarkung „Auf der Grehn“ (Flur V) und auf der rechten Brohlbachseite in der Flur III. Ca. 1840 (Baugenehmigung) baute er dort eine neue Mühle mit einem Mühlenwehr.
In Ermangelung geeigneter Räumlichkeiten fand hier auch zeitweilig der Schulunterricht statt, ehe nach mehreren Hochwassern die Räume so marode waren, dass der Distriktarzt 1852 den Schulbetrieb dort untersagte. Die unterschlächtige Mühle leistete wohl für ein halbes Jahrhundert ihre Dienste. Zervas erstellte in unmittelbarer Nachbarschaft eine neue Mühle (Nr.2), die als nächstes beschrieben wird.
2 Zervasmühle (Schalenbergsmühle) eine Traßmühle
1870 erfolgte die Baugenehmigung für diese Traßmühle, die wegen ihrer erhöhten Lage über dem Brohlbach nicht wasserbetrieben war, sondern durch eine Dampfmaschine, ein sogenanntes Locomobil, betrieben wurde. Die Mühle wurde auch als Schalenbergsmühle bekannt. Die Schalenbergs waren über mehrere Generationen als Statthalter von Zervas leitend tätig.
Das Gelände ging 1898 an die Brohltaleisenbahn, die es für ihre Belange benötigte. Die Söhne von Dominicus Zervas errichteten aus dem Verkaufserlös die Mühle an einem neuen Standort im Brohltal. (Nr.6).
Das folgende Foto von 1859 zeigt das Gelände von Dominikus Zervas mit einer Lagerhalle. Die Mühle war zum Zeitpunkt der Aufnahme aber noch nicht errichtet. Die erhöhte Lage ist aber gut erkennbar.

3 Mühlen Ortsmitte Papierfabrik
Dort, wo sich früher schon eine Kupferschmelze befand, wurden am Brohlbach bzw. am abgezweigten Mühlenbach mehrere Mühlen betrieben, die hintereinanderlagen.
Erste Erwähnungen finden wir 1611 und abermals 1657. 1659 übertrug die Fürstäbtissin von Essen, diese Mühlen an die Grafen von der Leyen. Im Jahr 1737 existierten eine Ölmühle (Nußmühle), eine Getreidemühle und eine Traßmühle (Nr. 1b), die durch unterschiedliche Pächter betrieben wurden. 1785 wurde die Nußmühle stillgelegt. Im Jahre 1792 wurde, durch Pieter Jacob van der Muelen, einem holländischer Kaufmann der in Neuwied im Exil lebte, eine Papiermühle errichtet, wie aus der nachstehenden Skizze zu ersehen ist. Erst im Jahr 1996 wurde die Herstellung von Papier in Brohl eingestellt.

Skizze entnommen: C.B. Hommen „Geliebte Heimat zwischen Laacher See und Goldener Meile„
Die hintereinander gelegenen Mühlen wurden durch das Wasser eines Mühlengraben angetrieben. Dafür wurde das Wasser des Brohlbaches abgezweigt und über mehrere Wehre abgeleitet. Zusätzlich wurden Mühlenteiche gespeist, die als Reservoir dienten.
Folgende Karte zeigt im unteren Teil, wie sich der Brohlbach in Richtung Rhein schlängelt. Oben ist blau eingefärbt der Mühlengraben zu sehen, der in der bebauten Fläche die Mühlen antreibt, um das Wasser dann wieder in den Brohlbach zu leiten.

Mühlen im unteren Brohltal
Verlässt man Brohl talaufwärts, dann gelangt man an den Abzweig der Fritz-Beck-Straße, die nach Niederlützingen führt. Direkt am Abzweig steht ein Haus, in dem sich heute das Steuerbüro der Familie Bolt befindet. Dieses Gebäude gründet auf der Nr.
4 Holtze-Mühle (Moelendonk).

1894 bezeichnete man sie als „Mühle von Moelendonk“; nach ihrem damaligen Besitzer. Ab 1928 war es dann die „Holtze-Mühle“, die mit Dampf angetrieben wurde. Diese erwarb Christian Netz. Nach der Mühlenzeit betrieb die Familie einige Jahrzehnte das Gasthaus „Zur Mühle“.
5 Heinze-Mühle (oder Netze-Mühle sen., Herters-Mühle, Schwickeraths-Mühle)
Diese Mühle stand schräg gegenüber der „Holtze-Mühle“. 1750 erhielt der kurtrierische Hofrat A. E. von Sohler die Erlaubnis, auf einem Gelände, das der Fürstäbtissin zu Essen und dem Stift St. Florin in Koblenz gemeinsam gehörte, eine Traßmühle zu errichten. Johannes Bernhard Netz, 1710 in Brohl geboren, war dort als Müller tätig. Die „Netze“ kauften später die Mühle und betrieben diese als Traßmühle und auch als Getreidemühle, bis ca. 1880. Die Besitzverhältnisse waren aber zeitweise andere. Nachdem im Jahre 1824 Maria Christina Netz die Ehe mit Johann Nonn, Besitzer der vor Burgbrohl gelegenen Nonns-Mühle (Nr.12) einging, gelangte die Mühle ins Imperium des Johann Nonn. Müller auf der Mühle blieb aber weiterhin bis 1880 Christian Netz. Die Mühle gelangte dann an Anton Klee aus Brohl. Dessen Schwiegersohn betrieb die Mühle ab 1880 unter dem Namen „Herters-Mühle“, bevor diese ab 1898 als Schwickeraths-Mühle“ firmierte (Simon Herter, Inh. Nikolaus Schwickerath) . Nach dem 1. Weltkrieg wurde die Mühle als „Heinze- Mühle“ bekannt. 1928 wird diese in einem Verzeichnis für Niederlützingen erwähnt und als moderne Kugelmühle bezeichnet.

6 Zervas-Mühle (Dominicus-Mühle genannt)Traßmühle
Wie unter Nr.2 erwähnt, errichteten die Söhne von Dominicus Zervas im Jahre 1899 eine neue damals hochmoderne Traßmühle „In den Kaulenhecken“. Die Söhne benannten die Mühle nach dem 1869 verstorbenen Vater Dominicus-Mühle. Sie wurde zunächst ebenfalls dampfbetrieben und erhielt 1919 einen Gleisanschluss. Ab 1924 erfolgte eine Umstellung auf Elektroantrieb. Nach dem 2. Weltkrieg wurde die Mühle nicht mehr in Betrieb genommen. Die Mühlengebäude wurden in den letzten Jahren gänzlich zurück gebaut. Das komplette Areal liegt im Majorat derer von Schweppenburg.

Foto: Buch Kurt Degen „Geschichte der Bodenschätze im Brohltal“
7 Brenners-Mühle (Büntgens-Mühle) Traßmühle
Heute erinnern nur Reste der Grundmauern an diese Mühle. Diese befinden sich gegenüber der Ein-/Ausfahrt zum Steinmetzbetrieb „Netze Mühle“ etwa 100 Meter von der Brohltalstraße entfernt. Die Geschichte dieser Mühle ist noch wenig bekannt. Der Ursprung dürfte in der Familie Büntgen, Ackersleute und Bäcker aus Brohl, liegen. Die Mühle ging über auf dessen Schwiegersohn Johann Brenner, aus Rheinbrohl stammend. 1880 firmierte die Mühle noch unter Johann Brenner, der aber da bereits verstorben war. Seine Söhne wohnten in Brohl, und wurden als Ackerer, Bäcker und Gutsbesitzer benannt. Für diese Söhne (Anton Brenner und Wilhelm Brenner) wurden 1860 auch Gruben im Brohltal ausgewiesen. Vermutlich wurde diese, mit Dampf betriebene Mühle, 1888 durch das Hochwasser zerstört. Dafür spricht auch, das die Brenners 1889 ihr Glück in Amerika suchten.
8 Netze-Mühle jun. Traßmühle und Pumpstation für Niederlützingen.

AK Bestand Andreas Windscheif: Am linken Bildrand die Netze-Mühle jun. rechts die Dominicus Zervas Mühle

Es handelt sich um eine sehr junge Mühle. Sie wurde 1873 durch Hubert Netz (geb.1818 in Brohl) erbaut, wie es der abgebildete Stein über dem Torbogen zeigt. Dessen Kinder verkauften die Mühle 1894 an die Gemeinde Niederlützingen, die dort die Pumpstation für die Wasserversorgung von Niederlützingen errichtete. Die Netze betrieben anschließend Mühle und Pumpstation in Pacht weiter. In den 1970er Jahren kaufte Johannes Netz das Gelände von der Gemeinde und errichtete dort den Steinmetzbetrieb „Netze Mühle“.
9 Mosens-Mühle (Schweppenburg-Mühle) Ölmühle – Getreidemühle – Traßmühle, heute Getreidemühle.
Diese Mühle kann auf eine lange Historie zurückblicken, wurde sie doch schon im Jahre 1365 urkundlich erwähnt.1377 erhält Arnold von Schweppenburg die gleichnamige Burg samt dazu gehöriger Mühle als Lehen. 1457 besaß Claes von Schmidtbergh die Mühle. 1537 belehnte der damalige Erzbischof Hermann von Kur Köln den Emmerich Kolb (Kolven) mit der Schweppenburg nebst zugehöriger Mühle. Burg und Mühle gehörten 1629 Bertram von Metternich und 1651 dessen Bruder, Wilhelm von Metternich. 1659 gestattete die damalige Fürstäbtissin von Essen, Anna Salome Gräfin von Salm-Reifferscheid, dem Wilhelm von Metternich zu Schweppenburg, die Mühle an Hugo Ernst Freiherr „von der Leyen zu Adendorf zu“ übertragen. Im Jahr 1716 kaufte der Kölner Kaufmann und Patrizier Rudolf Adolf v. Geyr die Schweppenburg samt Mühle von Johann Werner von Loen für 8000 Reichstaler.
1757 gestattete die Äbtissin von Essen der Ww. Christoph Reichelstein die Verlegung der Ölmühle an eine andere Stelle. Vermutlich musste die Ölmühle der Traßmühle weichen.
1838 folgte eine kurze Pachtphase durch Josef Nonn, bevor 1845 – 1854 Dominicus Zervas die Schweppenburg-Mühle von Baron Max von Geyr pachtete. Ab 1854 traten die Gebr. Mittler als Pächter auf. 1885 bis 1887 wurde die Schweppenburg-Mühle unter Freiherr Josef von Geyr zu Schweppenburg fast komplett neu erbaut. Seit 1913 bis heute betreibt die Familie Mosen, die nach ihr benannte „Mosen-Mühle“ als Getreidemühle. Zunächst Josef Mosen, dann Herbert Mosen und in nächster Generation Rainer Mosen. Noch bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges wurde hier neben Getreide auch Traß gemahlen.

10 Mittlers-Mühle (Orbachs-Mühle) Ölmühle, Getreidemühle, Traßmühle
Vor dem Jägerheim (heute durch die neuen Besitzer entgegen der Tradition in „Schmökermühle“ umbenannt) war die Mühle bis in die 1960er Jahre in Betrieb. Sie lag bei Brohlbach-km 4,3. Heute erinnert allenfalls ein auf dem Gelände aufgestellter Bildstock an die Mühle.

Der Bildstock wurde durch Dr. Wegeler errichtet, der diesen der hl. Apollonia widmete.
Im Jahre 1628 gestattete die Äbtissin von Essen, Maria Clara Gräfin von Spaun, „ihrem Unterthan“ Johann Trümmers aus Niederlützingen die Erbauung einer Ölmühle in der Flur „Unter dem Kreuzberg“ im Brohltal, Gemarkung Niederlützingen. 1669 folgte die Erlaubnis, dort eine Getreidemühle zu bauen. Bis ins späte 18. Jahrhundert hinein wurde die Mühle von den Nachkommen (Kinder und Schwiegersöhne) von Johann Trümmers betrieben. 1837 befand sich die „Orbachsmühle“ im Nachlass des Ludwig von Bourscheidt. Über Zwischenhändler wurde sie 1838 an Dr. Julius Wegeler aus Koblenz verkauft. Dieser ergänzte die Anlage um eine Traßmühle und ein Wohnhaus, das „Bagatelle“ genannt wurde. Eine kurze Episode finden wir auch die Firma J.Merzbach & Co als Eigner, bevor 1880 die Familie Mittler, zunächst noch als Pächter der Traß- und Getreidemühle in Erscheinung tritt. Jakob Mittler erwirbt die Mühle im Jahre 1910 käuflich. Die „Mittlers-Mühle“ war die letzte tätige Mühle im Brohltal, in der Traß zu Tuff gemahlen wurde. Erst 1966 wurde der Betrieb eingestellt.

Foto: 1927 Baptist Schneider; AK aus dem Bestand Andreas Windscheif
Mühlen in und um Burgbrohl
11 Gerhards-Mühle (Neumühle oder Untermühle)
Sie befand sich dort, wo der Tönissteiner Bach in den Brohlbach mündet (oberhalb der Einmündung der von Wassenach kommenden Kreisstraße in die B 412).
1811 baute dort der Kölner Kaufmann Aloys Schmitz diese Traßmühle. 1826 wurden die „Gebrüder Schmitz aus Cöln“ als Besitzer angeführt, vermutlich die Söhne. Die Mühle wurde Neumühle oder Untermühle genannt. 1837 gelangte die Mühle aus dem Nachlass des Ludwig von Bourscheidt über den Makler Weckbecker an die Familie Gerhards. Peter Gerhards und Anna Breitbach, aus Ransbach-Baumbach stammend, waren schon seit 1767 als Krugbäcker für den Tönissteiner Sprudel tätig. Danach die Kinder und Kindeskinder. Als Matthias Gerhards im Jahre 1889 starb verkauften die Erben die Mühle, die schließlich 1910 abgerissen wurde. Das Familienbuch von Kell weist in der Ära der Gerhards andere Müller in der Mühle nach, was vermuten lässt, das die Gerhards nicht selber als Müller tätig waren.

Gemälde: Julius Kornbeck ca. 1872; restauriert durch Albert Groz, Maria Laach 2023// Es gibt noch ein weiteres Gemälde von der Neumühle, von unserem Eifelmaler Fritz von Wille.
12 Nonns-Mühle (Kaulenbuscher-Mühle, Bourscheidtsche-Mühle)
Am Ortseingang von Burgbrohl, aus Brohl kommend, liegt die einst bedeutende Mühle, in der sogenannten „Säukurve“, wo die neuen Besitzer Rhodius Schweine und Hühner hielten. Die zwischen 1767 und 1769 durch den Baron von Bourscheidt erbaute Mühle diente der Traßerzeugung und wurde 1836 durch Johann Nonn aus Brohl erworben. Durch eine übernommene Bürgschaft geriet Johann Nonn allerdings in finanzielle Schwierigkeiten und verlor 1845 sein Vermögen, darunter auch die Nonns-Mühle und die Netze-Mühle senior (Nr.8) die an Dominikus Zervas gingen. Sein Sohn Josef Nonn konnte die Nonns-Mühle aber 1857 wieder aus dem Besitz des Breisiger Bürgermeisters Anton Matoni zurückkaufen. Nachkomme Hans Nonn verkaufte die Mühle schließlich im Jahre 1970 an Manfred Rhodius. Die Gebäude stehen noch und werden heute anderweitig genutzt.

Foto: Baptist Schneider ca. 1927
13 Schmellitschecks-Mühle (Kirchmühle)
Diese Mühle lag in Burgbrohl am Gleesbach, heute Gleesbach Str. 11. Es handelte sich um eine Öl- und Traßmühle. Auch sie gehörte zur Bourscheidtschen Burg. Die Mühle ist bereits im Kataster 1828 zu sehen. 1837 gelangte sie durch eine Versteigerung in den Besitz von Johann Britz. 1852, als ein Feuer die Öl- und Traßmühle vernichtete, gehörte diese dem Burgbrohler Franz Schlich. Dieser wiederum verkaufte die Überreste an den Weseler Kaufmann Wilhelm Schmellitschek, der sie 1854 wieder als Traßmühle in Betrieb nahm. Im Jahr 1882 erwarben Josef Nonn (siehe Nonns-Mühle Nr.12) und sein Schwager Karl Fils das gesamte Gelände von Andreas Schmellitschek. Das Gelände wurde ab 1899 umgenutzt, als die Produktion feuerfester Steine von der Bells-Mühle (Nr.15) nach hier verlegt wurde.

Kataster Burgbrohl Flur 1 von 1831 (Ausschnitt)
14 Schierbergs-Mühle (Sauerwiesenmühle, Spitzleys-Mühle)
Diese Mühle lag ebenfalls am Gleesbach, ein Stück weiter aufwärts in Richtung Glees. Die Konzession zur Errichtung dieser Mühle wurde im Jahr 1838 erteilt. Peter Müller von der Wassenacher Mühle (Degens-Mühle Nr. 31) erhielt die Rechte hierzu. Zumindest ab 1854 wurde die Mühle durch die Familie Spitzley betrieben. 1880 bezeichnete man sie als Traßmühle. Bernhard Schierberg, seit 1924 als Müller tätig lässt die Mühle ab 28.2.1932 auf seinen Namen eintragen. Die Löschung erfolgt mit seinem Tod am 5.11.1951. Bis zum 30.11.1953 läuft die Mühle noch auf seine Witwe Martha Schierberg weiter. Danach befand sich in dem Gebäude noch eine Restauration, heute ist es ein Wohnhaus.

Leihgabe: Antoine Boy und Claudia Minn, Linz. Maler unbekannt
15 Dahmens-Mühle (Dolls-Mühle, Bells-Mühle, Schloßmühle)
Unterhalb der Bourscheidtschen Burg in Burgbrohl lag diese Mühle in der Nähe der alten Kirche in der Mühlengasse. Die Mühle war ursprünglich eine Getreidemühle.
Als 1837 der Nachlass von Ludwig von Bourscheidt versteigert wurde, ging die Mühle an Hubert Dahmen. Von diesem später an seinen Schwiegersohn Peter Josef Doll, der die Mühle 1880 zur Traßmühle umbaute. Um die Jahrhundertwende errichtete hier der Burgbrohler Unternehmer Wilhelm Bell eine Steinfabrik, die 1899 auf das Gelände der Schmellitscheks-Mühle (Nr.13) verlegt wurde. Siehe auch die Katasterkarte von 1831 wo beide Mühlen in geringem Abstand zueinander liegen. Der Gleesbach speiste die Mühlengräben sowie die angelegten und auf der Karte zu erkennenden Mühlenteiche.

Das ehemalige Mühlengelände befindet sich heute im Besitz der Familie Fink. Dominik Fink hatte das Haus Anfang der 1960er Jahre gekauft. Der Mühlgraben wurde freigelegt und nach der Kanalisierung wieder verschüttet. Die Informationen und folgende Fotos stammen aus der Familie Fink.




16 Schemels-Mühle (Schoors-Mühle, Schmenglers-Mühle)
An der Ortsgrenze von Burgbrohl zu Weiler gelegen, wurde diese Öl- und Getreidemühle im Jahre 1843 durch Stefan Decker vom Beunerhof erbaut. Peter Schoor kaufte die Mühle 1854 und baute sie 1859 in eine Traßmühle um. 1885 wurde die Traßmühle in eine Produktionsstätte für feuerfeste Produkte umgewandelt und schließlich 1899 an die Stein- und Tonindustrie (Kölner Handels-Ges.) verkauft.
17 / 18 Klöppels-Mühle (Wasserscheider-Mühle)
Diese Mühle befand sich in Niederweiler, dort wo der Almersbach (Weilerbach) in den Brohlbach mündet. Die Getreidemühle, die ursprünglich zur Probstei Buchholz gehörte, wird durch das Wasser des Brohlbaches angetrieben. Ab 1773 verpachtete der Kellner (Verwalter) der Probstei die Mühle an die Familie Dietzler (Detzel). 1803 wurde die Mühle im Zuge der Säkularisation, als die französischen Machthaber allerorten Kirchenbesitz veräußerten, als Nationaleigentum versteigert. In dieser Zeit gehörte das linksrheinische Gebiet und damit auch das Brohltal zu Frankreich unter Napoleon Bonaparte. Diesem Umstand verdankte es die Familie Detzel die Mühle zu erwerben. Tochter Klara Detzel heiratet 1877 den Anton Wasserscheid, der bis dahin Müller auf der Tönissteiner Mühle war.
1880 tauchte der Name der Mühle in einem Streit um Wasserrechte zwischen Wasserscheid und Schoor von der Schoorsmühle wieder auf. In dem Schreiben wird ein Johann Wasserscheid genannt, der die Mühle von seinem Vater Jakob Wasserscheid übernommen hatte. 1935 befand sich die Mühle im Besitz von Johann Klöppel aus Mendig und seiner Ehefrau Maria geb. Schumacher aus Niederzissen. Die Produktion lief bis 1972. 1999 übernahmen Dr’s. Ute Gilles und Markus Gilles das Mühlenanwesen von den Großeltern. Es erfolgte eine umfangreiche Renovierung. Die ehemalige Mühle wird heute noch zur Stromerzeugung genutzt und ist der Standort der Tierarztpraxis der Familie Gilles.

Gemälde: Wilhelm Klöppel, Obermendig (Beuroner Künstler)
Leihgabe: Familie Gilles, Burgbrohl-Weiler
Mühlen in Niederzissen
19 Hergartens-Mühle (Bornheimische-Mühle) Getreidemühle – Traßmühle – Getreidemühle – Stromerzeugung
Folgen wir dem Brohlbach talaufwärts finden wir auf der Nordseite des Baches gelegen, zunächst die Hergartenmühle. Kurt Degen vermutete deshalb, dass es sich um die alte Bornheimische Mühle handeln könnte. Die Brohltalgemeinden, die zur Herrschaft Olbrück gehörten, waren 1735 im Rahmen der Erbfolge in die Linien der Bassenheimer und der Bornheimer getrennt worden. Der Brohlbach bildete dabei die Grenze und alles was nördlich des Baches lag wurde den Bornheimern zugewiesen. Als Betreiber lassen sich finden: 1744/1745 Nicolas Kroth/Kraut, 1753/1754 Mauritz Kroth/Kraut, 1828 Johann Glees. 1870 tritt ein Anton Hergarten als Käufer der Traßmühle in Erscheinung. Am 1.4.1930 wird die Mühle auf Anton Hergarten (wohl ein Sohn, selbständig seit 1917) eingetragen, der diese am 17.1.1939 abmeldet.

20 Henks-Mühle: (Naunheimer-Mühle) Getreidemühle
In der Dorfmitte, heute Untere Mühlengasse, steht die Henks Mühle. Zwischen 1678 und 1794 nannte man sie „Naunheimer-Mühle“. Sie war wohl immer in privaten Besitzverhältnissen. 1740-1794 wurde als Betreiber ein Peter Wahl erwähnt. Im Jahr 1814 vernichtete ein Feuer die Mühle, Scheune und Stallungen. 1828 wurde sie durch Johann Esten erworben. Die Mühle, wurde über Generationen in der Familie weitergegeben. Im Jahre 1907 gelangte sie schließlich in den Besitz von Lorenz Henk. Seit 1987 gehört die Mühle der Schiele GmbH. Die Familie Schiele und der Kulturverein Niederzissen restaurierten die Mühle zwischen 2008 und 2014 aufwendig.

21 Loths-Mühle: (früher Wirrbachsmühle/Wyrbachsmühle), Getreidemühle.
Von Süden her speist der Wirrbach den Brohlbach. In der Ortslage befindet sich die Loths-Mühle, die zeitweise (1840) auch mit einer Lohemühle gekoppelt war. Der Mühlenstandort ist bereits 1382 unter dem Namen Wyrbachsmühle bekannt und befand sich da im Besitz der Herrschaft Olbrück. Im Jahre1685 wurde die Mühle neu aufgebaut. Sie wechselte in den nachfolgenden Jahrzehnten oft den Pächter. 1745 ist die Familie Esten als Pächter bekannt, 1781 folgte deren Schwiegersohn Anton Degen, der die Mühle 1807 auch erwerben sollte. 1820 ging sie an Johann Loth. Ab 1901 ist Wilhelm Loth selbständig und lässt die Loth-Mühle am 1.4.1930 eintragen und am 25.7.1963 wieder austragen, als sie wohl stillgelegt wurde. Heute finden wir hier, in der Oberen Mühlengasse 12, Loths Laden in der 7. Generation.

Tuschezeichnung Brunhilde Stürmer, Niederzissen 2009
22 Ölmühle (Olligsmühle): Ausgang Niederzissen Richtung Wehr.
Diese weitere Mühle am Wirrbach befand sich am Ortsausgang von Niederzissen in Richtung Wehr. 1576 erhielt Peter Meiß die Erlaubnis der Bassenheimer, die Mühle zu errichten. 1684/1685 erscheint als Pächter Johannes Röhrig. 1810 liest man in einem Schriftstück der damaligen französischen Verwaltung den Namen Georg Gielinger, als Ölmüller auf dieser Mühle. Johann Schäfer, Georg Bell, Peter Ritzdorf, Georg Brücker, Caspar Henseler und Wilhelm Fuchs waren weitere Müller. 1975 erfolgte die Einstellung des Mühlenbetriebs. Die Mühle war zuletzt im Besitz der Familie Schneider, die die Mühle 1958 stilllegten.

Aquarell Brunhilde Stürmer, Niederzissen 2000
Als nächste Mühle am Oberlauf des Wirrbach gelegen, befand sich noch die Welschwiesenmühle. Daraus haben wir die (Nr.32) gemacht.
Mühlen im oberen Brohltal
23 Karste-Mühle, Untere Mühle (Ulmersmühle)
Die Karste-Mühle war eine Getreidemühle, unweit der Tankstelle am Ortsausgang von Oberzissen in Richtung Niederzissen gelegen. Erstmalig erwähnt finden wir sie als Graf Philip von Katzenellenbogen, Burggraf von Rheineck und Herr zu Brule die Mühle in Oberzissen im Jahre 1381 belehnt.
In der noch stehenden Mühle befindet sich ein Holzbalken, dessen Inschrift uns die Errichtung der Mühle preisgibt. Danach wurde die Mühle 1741 durch ANDRIES MULLER und GERTRUD MULLER SHA IN GOTTES NAHM erbaut. Im Verlauf ist die Mühle einmal abgebrannt und der Balken wurde in der neuen Mühle wieder eingesetzt.
Angetrieben wurde die Mühle durch ein oberschlächtiges Wasserrad. Ein parallel zur heutigen Brohltalstraße verlaufender Mühlengraben leitete Wasser des Brohlbaches zur Mühle. ln der Sommerzeit führte der Brohlbach oft zu wenig Wasser, um die Mühle ständig in Gang zu halten. Es ist bekannt, dass vor dem Jahre 1885, bei Wasserknappheit, vom Brenkbach Wasser abgeleitet und über die sogenannte „Judenwiese“ (Neustraße), in Höhe der ehemaligen Gastwirtschaft Scheuer, dem Mühlenbach zugeleitet werden musste. Josef Ulmers ist 1869 als Müller der Getreidemühle bekannt. Später ging sie an Mathias Porz über, der sie 1917 an den Spekulanten Weiß verkaufte. Danach war die Mühle noch bis ca. 1920 als Kreidemühle unter Peter Karst in Betrieb. Dieser Betreiber wird ab 1.6.1921 bei einer Mühle in Gonderath ausgewiesen. Das Haus steht heute noch und ist unter Haus Nr. 3 in einem romantischen Zustand vorzufinden.

Foto: Brunhilde Stürmer, Niederzissen, Infos zum Verlauf des Mühlengrabens: Alfons Dietz, Oberzissen
24 Friedsams-Mühle
Diese Mühle befand sich in Oberzissen in der Nähe des Sauerbrunnens. Für den Betrieb der Mühle war etwa 200 Meter oberhalb des Mühlenstandortes eigens eine Abzweigung vom Brenkbach gegraben worden. Eine schmale Rinne führte das Wasser direkt auf das an der Rückwand des Mühlengebäudes befindliche oberschlächtige Wasserrad. Etwas oberhalb, etwa 20 Meter vom Wasserrad entfernt, war ein Mühlteich angelegt, der bei Wasserknappheit den Betrieb der Mühle sicherte.
Bis 1869 handelte es sich um eine Ölmühle. Dann begann die Ära der Familie Friedsam, die die Mühle in eine Getreidemühle umwandelte. In den 1960er Jahren stellte die Mühle ihren Betrieb ein. An Stelle der Mühle steht heute ein Wohnhaus, der Anbau an der damaligen Mühle steht noch und dient heute als Garage.

25 Reichards-Mühle
Die „Reichards-Mühle“ befand sich in Niederdürenbach am Brohlbach gelegen. 1794 bis 1814 gehörte sie zum „Haus Krummenthal“. In der Neuzeit blieb sie als Gaststätte „Zum Forellen Rudi“ in Erinnerung.

26 Lochmühle (Holzwiesen)
Diese Mühle ist im Niederdürenbacher Ortsteil Holzwiesen gelegen. Die „Lochmühle“ wird ebenso wie die „Reichards-Mühle in der Tranchotkarte 1794 – 1814 zum „Haus Krummenthal“ gehörig bezeichnet. Holzwiesen und damit auch die Mühle gehörten von jeher zur Burg Olbrück, später in der Bassenheimer Linie befindlich. 1851 und 1885 wurden bei Zählungen jeweils 5 Einwohner in der Mühle ausgewiesen. Aus unten stehender Ansichtskarte lässt sich mit Wilhelm Wolter zumindest ein Besitzer finden.


Weitere Mühlen der Nebenflüsse
27 Buchholzer Mühle (Sodamüllche)
Es handelt sich um eine sehr alte Mühle, die bereits im 13. Jahrhundert Erwähnung findet und zur Benediktinerprobstei Kloster Buchholz gehörte. Ihre Lage befand sich ebenfalls im Gleeserbachtal, wenig unterhalb des Abzweiges nach Buchholz. Laut Unterlagen war die Mühle 1829 verfallen, ehe Michael Müller aus St. Jost die Mühle wieder neu aufbaute. 1863 bis 1867 war sie im Besitz von Josef Nonn (Nr. 12), der sie wenige Jahre später an Gustav Rhodius aus Linz verkaufte. Dieser baute dort eine Chemiefabrik. 1886 wurde in der Mühle Bikarbonat produziert. 1902 wechselt sie erneut den Besitzer. Heute ist am Mühlestandort ein Wohnhaus und zeitweise ein Campingplatzbetrieb.

Foto 1939: Kurt Degen „Geschichte der Bodenschätze im Brohltal“
28 Klostermühle (Tönissteiner Mühle), Getreidemühle – Traßmühle
Diese Mühle wurde bereits 1658 erwähnt. Sie befand sich oberhalb des damaligen Karmeliterklosters Antoniusstein (Tönisstein) am Keller- bzw., Wassenacher gelegen. 1658 wurde sie von Johann Roes betrieben. Es ist der erste schriftliche Hinweis auf diese Mühle, die wahrscheinlich aber schon älter sein dürfte? Vermutlich wurde sie gemeinsam mit dem Kloster Antoniusstein im 15. Jahrhundert erbaut. Die Familie „Roes“ pachtete und betrieb die Mühle mindestens bis 1735. Ein Nachkomme der Familie Roes, Johann Peter Roes, siedelte 1723 auf die Krayermühle um.
Es folgten danach verschiedene Pächter. So waren von 1777 – 1835 die Wasserscheidts die Müller, deren Pachtverträge einige male über jeweils 12 Jahre verlängert wurden. Die Familie „Wasserscheidt“ erscheint auch als Besitzer weiterer Mühlen. So der Wasserscheidter-Mühle (Klöppels-Mühle, Nr. 17/18) und auch für eine kurze Zeitspanne als Pächter der Orbachsmühle (Nr. 10).
Unabhängig von den Pächterfamilien, wurde die Mühle in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts mehrmals versteigert. 1845 erwarb Dominicus Zervas (Nr.2) die Mühle von Johann Nonn (Nr.12). Zervas baute die Mühle in eine Traßmühle um. Als letzter Müller der Klostermühle wird ein Christian Schmitz erwähnt. 1882 wird die Mühle erwähnt, als aus dem Nachlass von Gerhard von Eicken die Mühle versteigert wird. 1884 war die Mühle bereits dem Traßabbau zum Oper gefallen.

Ansicht: Karl Schüssler, Andernach
29 Pöntermühle
Bei der Pöntermühle handelte es sich um eine Getreidemühle, gelegen in der Gemarkung Kell im Pöntertal in Richtung „Heilbronn“ (heutiger Tönissteiner Sprudel). Pöntermühle und Pönterhof haben vermutlich eine gemeinsame Geschichte. Laut „Familienbuch Kell“ existierten sie bereits im 15. Jahrhundert. Die Liste der Hofbetreiber, ist bis 1843 lückenlos vorhanden (s. Familienbuch Kell). Danach wurde die Mühle durch die Familie Heinemann betrieben, die den Mennoniten zugehörig waren. Heute gehört die ehemalige Pöntermühle der Familie Schrader bzw. Fischer.

30 Krayermühle
Diese Mühle ist ebenfalls in der Gemarkung Kell im Pöntertal zu finden. Sie gehörte schon vor 1550 zum Kloster Tönisstein. 1562 übernahm Balthasar Boos v. Waldeck die Mühle, die als Getreidemühle fungierte. 1647 kaufte das Kloster Tönisstein die Mühle zurück. Im „Familienbuch Kell“ werden in der Zeit von 1620 bis 1835 die Pächter genannt. Als Besitzer erscheint 1818 ein Jakob Resch aus Andernach, der die Mühle an Jakob Esten und Johann Schmitz verkaufte. 1833 wird die Mühle wiederum verkauft und geht von Margarethe Seibert auf Josef Reuter über. Die Ursprünge für eine Mühle im Pöntertal gehen schon bis 1337 zurück, als ein Andernacher Ritter die Wasserrechte vom Kloster Laach erhielt und dafür Zinsen zahlte. Diese Aussage könnte allerdings auf beide genannten Mühlen im Pönterbachtal zutreffen.

Foto: um 1900; Susanne Schön, Krayermühle
31 Degens-Mühle (Wassenacher Mühle)
Diese Mühle befand sich im Gleesertal. Man findet kaum Hinweise darüber. Kurt Degen zeigt in seinem Buch „Die Herrlichkeit Buchholz und Niederweiler eine Karte aus dem Jahr 1748, in der die Wassenacher Mühle verzeichnet ist. Nach dem Mühlenverzeichnis von Erich Mertes „Mühlen der Eifel“ hat Johann Degen als letzter Müller die Wassenacher Mühle 1931 übernommen und 1943 stillgelegt.

Degensmühle Nr. 2 links am Bildrand oberhalb der 1 ist die Schierbergsmühle und unterhalb der 3 die Buchholzer Mühle zu sehen; Foto: Albert Hoffmann, Burgbrohl
Hier endet unsere Mühlenreise ursprünglich. Mittlerweile setzt sich die Reise aber fort und konnte um die Mühlen in Wehr ergänzt werden. Nach dem Literaturnachweis gibt es eine Beschreibung der Mühlen 32 – 34.
verwendete Literatur:
C.B. Hommen „Geliebte Heimat zwischen Laacher See und Goldener Meile“
Ortschronik: Burg – Bach – Tal Burgbrohl 900 Jahre
Katholische Gemeinde Kell: Familienbuch (Cardamenia Verlag)
Kurt Degen: Die Herrlichkeit Buchholz und Niederweiler
Kurt Degen: Geschichte der Bodenschätze im Brohltal
Gemeindechronik Niederzissen, 2. Ausgabe
Heimatverein Oberzissen: Ortschronik
Erich Mertes: Mühlen der Eifel Bd. I
Mühlenteam Kulturverein Niederzissen: „Henk’s Mühle Im Wandel der Zeit“
Christian von Stramberg: Rheinischer Antiquarius aus dem Jahre 1858
Chronik „100 Jahre Zervas & Söhne“ 1925
Werner Fußhöller: Heimat- Jahrbuch 2022/23 „Eine Mühlenreise durch das untere Brohltal“
Rolf Nonn: Familienchronik
LHA Koblenz
32 – 34 Wehrer Mühlen
„Der Überlieferung nach gelangte der große fränkische Gutshof mit dem Ort Wehr im Jahre 920 vom Gaugrafen Sigebodo von Are als Gründungsgabe an die Benediktinerinnen des Kloster Steinfeld.“
Die drei bekannten Wehrer Mühlen, gehörten bis zur Säkularisation im Jahre 1802 zu diesem Kloster Steinfeld. Mit der Säkularisation verloren sie diesen Status und die Besitztümer wurden einige Jahre später versteigert und gelangten so in private Hände.
Die Welschwiesenmühle (32), die zunächst den Namen Wildtmühle trug, ist die ältere der Mühlen und als Vorgängermühle anzusehen. Die Getreidemühle und die Ölmühle entstanden später innerhalb der Kellerei Wehr gelegen.
Die Karte von 1848 zeigt die Lage der Getreidemühle durch ein Mühlrad symbolisiert auf der Parzelle 655a. Ihr schräg gegenüber liegt die Ölmühle deren Zusammengehörigkeit durch die Parz.-Nr. 655b gekennzeichnet ist.

Die in der Karte dargestellten Mühlenteiche und Wasserläufe wurden im 16. Jahrhundert erschlossen und machten erst die Errichtung der Mühlen innerhalb der Kloster-Kellerei möglich.
32 Welschwiesenmühle (Wilmühl, Wildtmühle)
Diese, zunächst zur Kloster Kellerei Wehr gehörige Mühle, befand sich außerhalb der Ortslage am Wirrbach, der das Wasser aus dem Wehrer Kessel sammelt und damit für einen Mühlenantrieb geeignet war. Der Standort befindet sich in Richtung Niederzissen, unterhalb des heutigen Carbonwerkes. Der älteste Nachweis zu dieser Mühle stammt aus dem Jahre 1498 und geht aus einem Vertrag hervor, wonach das Kloster Steinfeld die Mühle verpachtete.
Ab ca. 1560 wurde die Mühle über 4 Generationen durch eine Familie betrieben, die man Mulner nannte. Der Name wurde abgeleitet vom Beruf des Müllers und erst später wurde die Familie mit dem Namen Plein bekannt.
In einer Tranchotkarte aus dem Jahre 1802 ist die Mühle nicht mehr verzeichnet. Nachdem die Steinfelder die Wassererschließung und den Neubau zweier Mühlen innerhalb der Kellerei vorgenommen hatten war die Mühle für das Kloster bedeutungslos geworden und ist wohl verfallen.
Erst der 1818 geborene Johann Potentin Günther und seine Ehefrau Anna Maria Stommel, bauten die Mühle circa 1845 auf den alten Fundamenten wieder auf. Die Eltern der Ehefrau waren Josef Stommel aus Brohl und Maria Elisabeth Genn aus Wehr. Deren Tochter Elisabeth Stommel heiratete ihrerseits den Müller Kaspar Genn.
Ein Nachkomme, Heinrich Genn, der bereits im Jahre 1919 die Berufsbezeichnung Müller trug, lässt die Mühle am 2.8.1932 auf sich eintragen. Nach einem Brand 1959 und einem erneuten Brand in 1965 wird die Mühle am 25.5.1965 aus dem Mühlenverzeichnis gestrichen. 1966 errichtete man an der Stelle ein Wohnhaus.

33 Görgens-Mühle (Kellereimühle)
Die Getreidemühle wurde um 1585 an der Kellerei eingerichtet. Ab 1649 bis 1660, also direkt nach dem 30-jährigen Krieg wird Michael Bossard (vor 1614 in Sart, belg. Wallonie geboren, +1673) Hüttenpächter und Pächter der gesamten Kellerei-Anlage und somit auch der zugehörigen Mühlen.
Christ Plein und Bernhard Plein, deren Familie schon die Wildtmühle betrieben, führten auch die neuen Mühlen unter der Regie Bossards. Michael Bossard wird vom Abt zudem noch als Schultheiß von Wehr berufen.
Der Kartenausschnitt „Wehrer He(r)rlichkeit“ von 1600 zeigt links das Hüttenmeisterhaus am Ortsausgang nach Glees, in dem Bossard und vorher schon dessen Schwiegereltern wohnten. Ganz rechts ist die Wasserzufuhr zum ummauerten Kellerei-Hoff“ zu erkennen, die bis heute besteht und funktioniert.

Quelle: Apertus LHA, Bestand 702
Um 1665 fielen die Wirtschaftsgebäude der Kellerei zum großen Teil einem Brand zum Opfer. Ob die Mühlen betroffen waren weiß man allerdings nicht. Das Kloster ließ die Hofanlage noch mächtiger wieder aufbauen.
Die Anlagen mitsamt den Mühlen wurden dann nicht mehr verpachtet, sondern in Eigenregie, unter der Leitung eines Paters, von angestellten Mitarbeitern bewirtschaftet. Einer dieser angestellten Müller wird noch bekannt und zwar um 1740, als ein Jakob Hilger, vom Steinfelderhof in Hannebach abstammend, als Müller genannt wird.
Als Folge der Säkularisation konnte Peter Görgen ebenfalls aus Hannebach, am 9.4.1817 beide Mühlen ersteigern. Die Getreidemühle (33) und die Ölmühle (34) für 2500 Taler, sowie das Gelände mit der Wasserversorgung. Die Görgens betrieben die Getreidemühle bis 1911, als die Mühle in Folge eines Brandes zerstört und aufgegeben wurde.

34 Artzdorfs-Mühle (Kellereimühle)
Peter Görgen, hat die von ihm 1817 ersteigerte Ölmühle wohl schnell weiterverkauft, denn nach 1826 wird Michel Artzdorf als Besitzer ausgewiesen. Die bereits aufgeführte Karte von 1848 bestätigt das, indem er als Besitzer der Ölmühle ausgewiesen wird. Die Mühle selbst befand sich im Keller des Hauses. Wann der Mühlenbetrieb eingestellt wurde, ist nicht bekannt. Er endete jedoch spätestens mit dem Tode des Georg Artzdorf am 23.11.1935. Der Hausname der Familie Artzdorf in Wehr war „Olleschmüllesch“. Von 1960 bis 2021 betrieb die Familie Degen hier die Gaststätte „Zur Mühle“.

Dieser Wehrer Mühlenteil konnte nur durch die tolle Kooperation, Hilfe und Auskunftsbereitschaft der Wehrer Forscher und Historiker erstellt werden. Deren Fundus geht weit über das hier aufgeführte hinaus, würde aber an dieser Stelle den Zweck der Veröffentlichung überschreiten.
Wir bedanken uns bei:
Bruno Andre – Das Dorf Wehr Band I.
Bruno Andre – Heimatjahrbuch Kreis AW 2003
Armin Beu – private Sammlung
Elmar Scharrenbach – private Sammlung
Stefan Vogt
Gerd Wyrwas – private Sammlung
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