Friedhof Brohl – Historie und Grabstätten

Unser Ziel war es, den verfassten Beitrag unseres Heimatforschers Werner Fußhöller zeitnah zu seinem am 6.10.2026 durchgeführten Friedhofsrundgang auf dieser Internetplattform einzustellen. Leider verfügen wir noch nicht über entsprechende Fotos für alle Grabstätten. Die hier verwendeten stammen i.d.R. aus den im Vereinsbestand befindlichen Fotos. Ausnahmen von der Regel sind entsprechend bezeichnet. Wir werden die Fotos bei Gelegenheit austauschen oder fehlende Fotos neu einstellen.    

Der Friedhof – die letzte Ruhestätte unserer Verstorbenen

Der Friedhof ist ein spezieller Ort zur Bestattung unserer Toten und spiegelt ein Stück Kulturgeschichte wider, was in folgendem Sinnspruch festgehalten ist:

„Der Friedhof ist der Ort,

an dem sich Vergangenheit und Gegenwart berühren

und sich die Zukunft offenbart“.

In Deutschland muss/ oder musste jeder Verstorbene auf einem Friedhof beigesetzt werden. Gegen Ende des 20. Jahrhunderts ging man immer mehr von der üblichen Form der Bestattungskultur ab. Der Urnen-Bestattung folgte die See- oder Flussbestattung, und seit einigen Jahrzehnten das anonyme Begräbnis und die Baumbestattung in einem sogenannten „Friedwald“. Auch für die Bestattungskulturen anderen Kulturkreisen fanden sich allgemeine Richtlinien, welche einer gesetzlichen Regelung bedurften.

Das Wort Friedhof stammt von dem althochdeutschen „Frithof“, welches einen eingefriedeten Bereich um eine Kirche kennzeichnet. Wie allgemein üblich, befanden sich die Begräbnisstätten unsere Ahnen bis zum Ende des 19. Jahrhunderts meist um die Kirche, oder wie in Brohl, um die Kapelle von 1680. Der Friedhof, oder besser gesagt, der Kirchhof, an der alten Kapelle/Kirche, war bis Anfang des 19. Jahrhunderts ausschließlich nur eine katholische Begräbnisstätte.

So betrug die Gesamtfläche des Kirchenareals, nach dem Urkataster von 1828 ca. 11 Quadratruten, welches etwa 156 qm entspricht. Zieht man hiervon die eigentliche Grundfläche der Kapelle und der benötigten Zuwegung ab, werden wohl ca. 80 qm für Bestattungen nutzbar gewesen sein.

Bei den 20 Familien im Jahr 1680, die ersten Beisetzungen erfolgten nach den Eintragungen im Sterbebuch der Pfarrei Gönnersdorf in den Jahren 1685 und 1689, dürfe die Fläche in den Anfängen noch ausreichend gewesen sein, wobei bei der kleinen Fläche die Ruhezeit für die Toten sehr geringgehalten werden mussten. Entsprechende Vorschriften über die Hygiene und ein Regelwerk zur Durchführung einer Bestattung gab es noch nicht. Diese kamen erst mit der französischen Besatzung der Rheinlande von 1789-1812. Da für die Liegezeit und auch für die Grabtiefe keine Mindestdaten vorlagen, war oft die Verfügbarkeit von Grabstätten eine Richtschnur. Dabei wurden die Toten meist ohne Ordnung begraben, sodass man des Öfteren beim Ausheben einer neuen Grabstätte auf einen noch nicht vollständig verwesten Leichnam stieß.

Die Verhältnisse um den Kirchhof werden wohl ähnlich gewesen sein, wie in der Gemeindechronik von Niederzissen niedergeschrieben, wo durch „Ausdünstungen“ des Kirchhofes eine große Belastung der umliegenden Anwohner entstand und die mit Menschenknochen übersäte Fläche, in Ermangelung eines Beinhauses, ekelerregend war. Man stellte dies mit einem Schindanger, dort wo die Tierkadaver verscharrt werden, gleich.

Bedauerlich, dass bei dem Abriss der ersten Kirche Brohls, im Jahr 1912, und der unsinnigen Entsorgung der alten Grabsteine, jegliche urkundliche Verbindung von nahezu 20 Generationen verloren ging. Lediglich einige Grabkreuze, oder auch nur Fragmente, waren in den Bruchstein-Seitenwangen des später von vorne aufgehenden Treppenaufganges, zum Kirchplatz hin, eingemauert. Diese waren bis in die 1980er Jahre in den Außen-Nischen der neuen Pfarrkirche aufgestellt. Um einen Diebstahl zu vermeiden, wurden die Kreuze an einen sicheren Ort ausgelagert. Die Kreuze erstrecken sich über eine Zeit von 1682 bis 1776.

Es wäre jedoch mehr als angebracht, die spärlichen Reste der Vergangenheit wieder in der Nähe der Kirche zu platzieren oder auf dem Friedhof den gebührenden Raum zu geben und so zu sichern.

Der „neue“ Friedhof

Mit Beginn des 19. Jahrhunderts wurde durch die stetig wachsende Bevölkerung der Friedhof um den alten Kirchplatz zu eng. Man wählte, nach den Vorgaben der preußischen Behörden, einen Friedhof außerhalb der Bebauung. Man fand diesen Platz in der Flur „Auf dem Acker“, wo die Gemeinde zwei Parzellen in Eigentum hatte. Erste Erweiterungen folgten in den Jahren 1853 und 1870, wo zur Errichtung einer Begräbnisstätte für Dominicus Zervas, von dessen Erben der Gemeinde eine Parzelle überlassen wurde.

Es sollte somit genügend Platz, für die weitere Entwicklung des Ortes, vorhanden sein.

Foto: Heinz Grates AW-Wiki

Erste Bestattungen sind in den Pfarrakten in der Zeit nach 1823 datiert. Durch den Verkauf von sogenannten Erbgrabstätten versuchte man die Kosten für den Grundstückserwerb und die Herrichtung zu decken. Neben den heute individuell gestalteten Grabstätten waren es in den Gründerjahren, mit Beginn des 20. Jahrhunderts, wohlhabende Bürgerfamilien, welche ihre gesellschaftliche Stellung durch prachtvolle Grabmonumente doku-mentieren wollten. Sie wurden meist an den Friedhofsmauern beigesetzt.

Im Laufe der zurückliegenden 200 Jahren erhielt der Friedhof des Öfteren Erweiterungen und Umgestaltungen. Neben der schon erwähnten Grundstücksschenkung aus dem Nachlass von Dominicus Zervas, durch ein Gemeindeprotokoll vom 22. Jan. 1880, erfolgten weitere Grundstücks-zukäufe im Jahr 1902, dieses in Verbindung mit dem Bau der ersten Leichenhalle, welche noch bis in die 1960er Jahre im Einsatz war. Gleichzeitig wurde das komplette Areal mit einer Ziegelstein-Mauer eingefriedet. 1955 erfolgte durch Begradigung und Aufweitung der Johann-Jacobs-Straße ein Abriss der Bahn-seitigen Einfriedungs-Mauer, welche durch eine Thuja-Hecke ersetzt wurde. Weiter Grundstückskäufe ermöglichten im Jahr 1980 den Bau der heutigen, modernen Aus-segnungshalle. Gleichzeitig wurden die Wege befestigt und zur Bergstraße und dem Braunsbergweg hin Zuwegungen und Parkmöglichkeiten geschaffen.

Neben den bereits erwähnten Kaufgräber gibt es sogenannte Reihen-Gräber, als Einzel- oder Doppel-Gräber, Einfach- oder Doppel-Tief. Die Größe, Grabgestaltung und Pflege, sowie die Bestattungsgebühren, sind in einer Friedhofs-Satzung festgelegt. Dabei steht der Allgemeineindruck im Vordergrund.

Die heute am häufigsten angewandte Bestattungs-Form ist die Urnen-Beisetzung, wobei die Liegezeit einer Erdbestattung gleich gehalten ist. Auch die Form der anonymen Urnen-Bestattung wird auf dem hiesigen Friedhof angeboten. Darüber hinaus befinden sich an der südlichen Friedhofsgrenze fünf Urnenwände (Kolumbaríen), aus heimischen Tuff- und Basalt-Gestein, mit jeweils 9 Kammern zur Aufnahme von Urnen.

Kreuze und Grabstätten auf dem Friedhof in Brohl

Seit etwa 2000 Jahren ist das Kreuz Symbol des christlichen Glaubens. Das Kreuz begleitet Christen auf dem ganzen Lebensweg und haben einen festen Platz in der kath. Volksfrömmigkeit. Sie sind beredetes Zeichen der Volkskunst, sowie der Orts- und Familiengeschichte und Ausdruck religiöser Gesinnung und tiefer Gläubigkeit.

So gab es viele verschiedene Kreuztypen, besonders in der Osteifel und bis auf die rechtsrheinischen Orte waren die äußerst witterungsbeständigen Kreuze ab dem 16. Jahrhundert durchweg aus Basaltlava aus den Steinbrüchen des Mayen/Mendiger Grubenfeld gefertigt.

Da das grobkörnige Gestein keine feine Linienfolge zuließ, waren die Steinmetzarbeiten einfach gehalten. Die meisten Kreuze sind somit ohne Kruzifix oder sonstigen Merkmalen, und haben nur eine eingemeißelte Inschrift. Ältere Kreuze wurden in heimischen Tuffstein erstellt. Diese hatten jedoch den Nachteil der starken Verwitterung.

Viele Kreuze, wie Flur- und Wegekreuze oder Segenskreuze, sind, neben den Grabkreuzen auf Friedhöfen, an Plätzen und in der freien Flur, als Zeichen des Glaubens und der christlichen Kultur, zu Ehren Gottes und für das eigene Seelenheil, errichtet worden. Unterschiedlich auch die Gestaltung derselben. Manche zeigen einen Corpus Christ, in plastischer oder halbplastischer Formgebung, Hausmarken oder Standeszeichengeben weitere Hinweise auf die jeweiligen Stifter.

Bewegt man sich heute auf dem gemeindlichen Friedhof, so stechen einige Kreuze ins Auge, die es Wert sind einmal im Detail vorgestellt zu werden.

1. Hochkreuz

Zentral auf dem Friedhof gelegen, steht das so genannte Hochkreuz. Es hat auch die Funktion eines „Friedhofskreuzes“ und dient als Grabstein für „Alle“ Beerdigten, vornehmlich die ohne einen eigenen Grabstein beerdigt wurden. Das Kreuz war in den meisten Fällen eine Stiftung oder die Einlösung eines Gelöbnisses. Es wurde meist noch zu Lebzeiten des Stifters errichtet.

Auch die Errichtung des Brohler Hochkreuzes geht auf eine Stiftung zurück. So waren es die Nachkommen eines Anton Buschbaum (* 1782 +1855), welche aus Dankbarkeit die Herstellung im Jahr 1877 veranlassten. Anton Buschbaum war der Ur-Großvater von Paul Buschbaum, der den Älteren unter uns noch bekannt sein dürfte, welcher über zwei Generationen eine Drogerie und Fotoladen in der Burgstraße betrieb.

Foto: Heinz Grates, AW-Wiki

 Das klassische lateinische Kreuz aus Basaltlava, mit einer Gesamthöhe von 200 cm und einen aufgesetztes Corpus Christi aus Gusseisen. Das Postament, von einer Höhe von 150 cm ist quadratisch und nach oben hin profiliert. Oberhalb der Sockelhaube ist „Es ist vollbracht!“, das sechste der sieben Kreuzesworte Jesus Christi, eingemeißelt.

Auf der Rückseite des Schaftes ist eine Widmung vermerkt: ERRICHTET VON DER FAMILIE ANT. BUSCHBAUM 1877

Foto: Petra Fußhöller

Es wurde von dem Brohler Steinmetz Johann Joseph Wihl (1854-1919), welcher mit einer Clementine Buschbaum (geb. 1862) verheiratet war, gefertigt. Johann Josef Wihl wanderte mit seiner Familie 1888 nach Franklin-Ohio/USA aus. Dort blieb er seinem Beruf treu. Heute ist der Familien-Verbund in den Staaten noch weit verbreitet.

Das Hochkreuz, früher mit einem hochkronigen, schattenspendenden Laubbaum versehen, war, bis zu dem Ausbau der Wegeflächen, auch die Grabstätte des ersten Pfarrers der seit 1869 selbstständigen Pfarrgemeinde St. Johannes Baptist, des aus Graach an der Mosel stammende Nicolaus Zingsheim (1807-1878), welcher bereits in der alten Kirche, seit 1839 seinen seelsorgerischen Dienst, als Hilfsgeistlicher, verrichtete.

2. Grabstätte von Leo Stausberg

Dieses Grab ist ein sogenanntes Ehrengrab und somit in der Pflegschaft der Gemeinde und ohne festgelegte Ruhezeit. Es erinnert an einen hochge-schätzten Pädagogen, Heimatforscher und Ortsbürgermeister. 1901 in Brohl geboren führte der Tod ihn im Jahre1968 wieder In seine geliebte Heimat zurück.

3. Grabstätte Dominicus Zervas

Ein weiteres Hochkreuz befindet sich direkt am linken Eingang zum Friedhof. Das Grabkreuz ziert die Grabstätte des „Trassbaron“ Dominicus Zervas (1805-1869). Er war der Sohn von Bertram Zervas (1760-1836), welcher sich bereits zu Beginn des 19. Jahrhundert im Schiffereigewerbe und mit dem Handel von Baumaterialien einen Namen machte.

Ältester Hinweis auf die Familie ist ein Fragment eines Grabsteins von Caterina Z. aus dem Jahr 1668. Sie war die Ehefrau von Adam Zervas, welcher von 1609 bis 1699 lebte und Send- und Gerichtsschöffe in Gönnersdorf war.

Nach dem Tod von Dominicus Zervas folgten seine Söhne seinem Wunsche ihn in heimischer Erde seine letzte Ruhestätte zu geben. So ist die Begräbnisstätte Teil einer Fläche, welche von den Erben am 22. Januar 1870 an die Gemeinde übertragen wurde. Man hatte sich jedoch ausbedungen eine Fläche von 4 ¾ Rut(h)en = 68m², für die sog. Erbgrabstätte in Eigentum zu behalten. Seine Söhne, welche die zahlreichen Geschäftsfelder erfolgreich weiterführten, setzten ihm so mit dem Grabkreuz ein Denkmal für die Ewigkeit.

Foto: Heinz Grates, AW-Wiki

Außergewöhnlich sind auch die Ausmaße des Kreuzes, welches entgegen der geläufigen Annahme nicht aus einem Stück besteht. Auch wenn das Kreuz und der Sockel aus zwei Teilen gefertigt und ineinander verzapft wurde, sind die Ausmaße enorm. So beträgt die Gesamthöhe des Kreuzes, einschl. Sockel, ca. 4,20 m.

Nach einer profunden Expertise des Brohler Steinmetz- und Bildhauer-Meisters Johannes Netz wird wohl allein der Rohling für das eigentliche Kreuz ein Gewicht von ca. 8 t. haben. Auch das „Niederlegen“, wie man den Abbau der einzelnen Schienen nennt, wird wohl in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts auch noch ein großes Unterfangen gewesen sein. Es gab noch keine mechanischen Hebeeinrichtungen und Werkzeuge zur Bearbeitung der Steine. So gab es zum groben Zurechthauen den Wetzkopf, und zur Oberflächenbehandlung den Doppelspitz und zur Endbearbeitung den sog. Flächt, alles Handwerkzeuge mit einem Gewicht zwischen 3-6 kg. Jeder Arbeitsschritt musste händig erledigt werden, selbst für das Anheben und Setzen gab es nur Handwinden oder Flaschenzüge.

Es war somit eine mühselige Arbeit das Kreuz in seine finale Form mit einem Fertiggewicht von nur ca. 500 kg zu bringen. Für die äußere Umrandung des Kreuzes wählte man drei Reihen abgestufte Blaubasalt-Säulen aus den Zervas‘chen Gruben in Dattenberg oder Leubsdorf.

Um den Bewunderern dieses Grabmonuments eine Hintergrundinformation zu geben, wäre es angebracht, wenn man die ehemalige Schriftplatte auf der Sockelschräge wieder erneuern würde.

Exkurs: Schiene, so nennt man die 5 oder auch 6-eckigen Säulen, die durch Spannungsrisse beim Erkalten der über 1000 Grad Celsius heißen Schmelze, entstanden ist, stammt wohl aus der Vielzahl der Basaltlava-Gruben des Mayen/Mendiger Grubenfeldes, welche Dominicus Zervas in der ersten Hälfte des 19. Jahrhundert erworben hatte.

Neben dem Abbau des Gesteins betrieben D. Zervas und seine Söhne auch eine Steinmetz-Werkstatt in Mayen. Es muss den Mitarbeitern wohl eine Ehre gewesen sein, so ein nachhaltiges Monument in den 1870er Jahren, ihrem Chef für seine letzte Ruhestätte geschaffen zu haben.

4. Familiengrabstätte von Anton Bröhl (1865-1942)

Die Grabstätte ist aus einem Granulat von versch. Gesteinsmaterialien gefertigt.

Anton Bröhl übernahm mit 20 Jahren den Familienbetrieb den er bis zu seinem Ableben im Jahr 1942 patriarchalisch führte. Ursprünglich als Schlosserei gegründet, entwickelte sich der Betrieb vom Hersteller von Gas-Motoren zu einem führenden Lieferanten von Spezial-Getrieben für die Hochsee-Schifffahrt und den Wasserbau.

Wirtschaftliche Zwänge führten im Jahr 2018 zur Aufgabe der Produktion. Heute wird das Know-how des Unternehmens unter neuer Regie weitergeführt.

5. Familiengrabstätte von Christian Alexander Nonn (1855-1932).

Dieser war von 1916 bis 1928 Ortsvorsteher. Die aus schwarzem Granit (in der Regel kam der Stein aus Südafrika) geschaffene Anlage hatte einen Corpus Christi aus einer Zink-Legierung, welcher über dem Kreuz montiert war. Beim Rückbau konnte das Kreuz gerettet werden und ziert heute die Außenwand der Aussegnungshalle. Dort hat Hubert Josef Sahl aus alten Eichenbalken ein Kreuz geschaffen und das Kruzifix aufgesetzt.

6. Grabstätte der Familie Boltersdorf

Ein moderner und im schlichten Marmor gehaltener Grabstein weist die   Ruhestätte der FabrikantenfamilienJosef Boltersdorf (1879-1952) und Else Boltersdorf geb. Gruhs (1883 – 1957), sowie Fritz Boltersdorf (1913-1989) und Helene Boltersdorf geb. Jenetzky (1925 – 2013) aus.

Josef Boltersdorf erwarb nach Ende des I. WK die Papierfabrik. Die Familie produzierte mit dem Wasser des Brohlbachs bis 1996 in Brohl.

7. Grab der Familie Kaumanns

Digital StillCamera

Sie sind Nachfolger der Fam. Josef Merzbach, der bis 1884 im Besitz der Papierfabrik war und danach Teilhaber der Orbachs-Mühle. Das Grab ist leider etwas in Unstand geraten.

8. Priestergrabstätte

Ein weiterer markanter Punkt auf dem Friedhof stellt das mit einer Rotbuche überragte Priestergrab dar, wobei die Särge der Priester in einer unterirdischen Gruft eingebettet sind. Die obererdig angeordnete Grabanlage, mit den Ausmaßen von ca. 220 cm Länge und ca. 196 cm Breite wird von einer ca. 275 cm hohen, zwei-geteilten Kreuzessäule überragt. Auf dem oberen Teil des Kreuzes befindet sich eine Kreuzigungsdarstellung mit dem auferstandenen Christus und unterhalb der Kreuz-Querbalken eine figürliche Darstellung des Hl. Johannes des Täufers und der Hl. Maria Magdalena als eine Zeugin seiner Kreuzigung und Auferstehung.

Auf dem Unterbau ist die Losung aus dem Johannes-Evangelium, Absatz 11-Vers 25, „ICH BIN DIE AUFERSTEHUNG UND IHR DAS LEBEN“ eingemeißelt und ausgemalt.

Auf dem gleichzeitig als Fundamentrahmen ausgebildeter Kreuzbalken sind die Namen der drei hier ruhenden Priester eingemeißelt. Als Attribut für ein Priestergrab weist ein plastisch herausgearbeiteter Kelch mit Hostie und Strahlenkranz hin. Die beiden Eckkonsolen sind als Weihwasserschalen ausgebildet und mit vollplastisch ausgeführten Engelsfiguren bekrönt.

Die aus heimischen Basaltlava geschaffene Anlage wurde um 1930 von dem langjährigen Leiter der Mayener Steinmetz-Fachschule, Prof. Carl Burger (1875-1950) geschaffen. Mit seinem unverkennbaren Stil der Darstellung hat Burger seine Spuren als Bildhauer in Deutschland hinterlassen. Eines seiner künstlerischen Merkmale war die dezente Ausmalung seiner Werke mit Erdtönen.

Das Grabmal ist die letzte Ruhestätte der in Brohl gewirkten Priester

JOSEF LEUSCH *8.5.1850 in Mastershausen +10.11.1919 in Brohl

Pfarrer in Brohl von 1884 bis 1919. In seiner Zeit wurde die heutige Pfarrkirche gebaut.

WILHELM KRIEGE Dr. *1.8. 1871 in Peine +28.3. 1927 in Brohl

Pfarrer in Brohl von 1919-1927

PETER KÖNIGS *26.7. 1874 in Niederkyll +18.2. l951

Pfarrer in Brohl von 1927-1948

Im Jahr 2015 wurde die Grabanlage, ohne ein Öffnen der Gruft, nach vorne und seitlich versetzt, um mehr Freiraum für das Wurzelwerk der Rotbuche zu schaffen und die Wegefläche zu verbreitern. Die Neuausrichtung der Anlage und die farbliche Erneuerung wurde von der Kunstwerkstatt Netze-Mühle durchgeführt.

 Gleichzeitig wurde auf der Grabanlage eine basaltene Schriftplatte zum Gedenken an den aus Brohl stammenden Priester, Monsignore Oskar Rothstein (1908-1990) niedergelegt. Rothstein war in der meisten Zeit seines irdischen Schaffens in der ostdeutschen Diözese Dresden/Meißen tätig.

9. Grabstätte Familie Wilhelm Gappe

Dieses noch nicht so alte Grabkreuz hat der Brohler Bildhauermeister Johannes Netz für die Familie Wilhelm Gappe (1908-1991), auf ein Versprechen hin, nach alten Vorbildern, ein Grabkreuz aus Basaltlava geschaffen. Auf einem Postament, mit den Lebensdaten der Eheleute Gappe, ruht ein Grabkreuz mit einem erhaben ausgearbeiteten Corpus Christi in Gestalt des Todesüberwinders. Die als Königskrone ausgebildete Dornenkrone versinnlicht hierbei den Sieger über Leben und Tod.

10. Kreuz an der Aussegnungshalle

Die Aussegnungshalle wurde in den 1980er Jahren gebaut und löste einen schmucklosen Ziegelbau ab. Von vielen unbeachtet befindet sich an der Kopfseite in der Halle ein Kreuz, ebenfalls aus heimischem Basalt.

Das Kreuz ziert ein erhaben ausgearbeiteter Corpus Christi und am Kopf eine sogenannte Ikonografie, INRI, welches so viel heißt wie „Jesus von Nazareth, König der Juden“., so wie es bei allen Evangelisten geschrieben steht. Ob es ein Teil eines Wegekreuzes ist und wer es geschaffen hat, ist leider nicht bekannt.

11. Grabstätte Familie Matthias Schmitz

Direkt neben dem Seiteneingang an der Ziegelsteinmauer befand sich diese Grabstätte in schwarzem Granit gestaltet. Sie wurde mittlerweile eingeebnet.

Matthias Schmitz war Fuhrunternehmer und hatte sein erstes Wohnhaus in der Burgstraße, dort wo später die Familie Karl Schmitz wohnte. Später wohnte er an der Dorfbrücke und das Haus zierten zwei Pferdeköpfe. Er war der Schwiegervater von Ferdinand Becker, welcher in der „Mark“ ebenfalls ein motorisiertes Fuhrunternehmen betrieb, das später sein Sohn Werner Becker weiterführte.

12. Grabstätte der Familie Dr. Carl Kerstiens (+1908)

Mit Dr. Carl Kerstiens (1860-1908) begann mit der Übernahme von Bad Tönisstein, von dem Stahlmagnaten August Thyssen und der sogenannten Stahlquelle, im Pöntertal, eine Ära, welche heute in 4. Generation mit Brohl und dem Brohltal eng verbunden ist. Mit der Marke Privatbrunnen Tönissteiner Sprudel baut die Firma auf eine über 2000jährige Geschichte der Mineralwassergewinnung.

13. Grabstätte Familie Jean Baptist Michiels (+1937)

Jean Baptist Michiels (1855-1937) gründete 1881 die „Cölner Apparatebauanstalt“.  Nach der Gründung legte er seinen Wohnsitz auf Schloss Brohleck, das er in den folgenden Jahren zu dem heutigen Aussehen erweiterte und umbaute. Das Anwesen war Wohnsitz und gleichzeitig auch erste Produktionsstätte, ehe man 1904 an die Koblenzer Straße übersiedelte.

Noch heute hat die Firma „Tank- und Apparatenwerke J.B. Michiels“ den gleichen Standort, befindet sich jedoch im anderen Besitz. Das Schloss ist weiterhin in der Nachkommenschaft des Gründers.

Die Familien-Grabstätte ist noch in Nutzung der Familie und deren Nachkommenschaft.

14. Grabdenkmal der Familie Mittler

Die Mittlers waren um 1880 Pächter der „Schweppenburger-Mühle“, um die Jahrhundertwende 1900 nahmen sie die Orbachs-Mühle, auch Mittlers-Mühle genannt, in Besitz. Mit Max Mittler jr.  endete im Jahr 1966 die Müller-Ära Mittler. Man musste dem aussichtslosen Kampf gegen den Industrie-Zement Tribut zollen.

Die Mittlers hatten zu Beginn der 1900er Jahre auch das „Hotel Mittler“ an der Koblenzer Straße im Besitz und zählten auch zu den Gründungsmitgliedern des „Brohler Spar- und Darlehenskassen-Verein“ und der „Brohler Narrenzunft“.

15. Grabstelle Johann Jacobs

„Dich grüß‘ ich, und preis‘ ich, du herrliches Land, vom Brohlbach durchflossen im Eifelgewand,….“, diese Zeilen eines Liedes, was unsere Heimat prägt und womit sich Johann Jacobs (1868-1914) ein Denkmal für die Ewigkeit gesetzt hat. Schon früh führten ihn die Wege ins Brohltal, war er von 1888 bis 1905 Lehrer in Niederzissen, ehe er bis zu seinem Tod im Jahr 1914, Hauptlehrer in Brohl war.

Er galt als profunder Kenner der Vulkan-Landschaft um den Laacher See und Verfasser vieler geologischer Artikel.

16. Familiengrab Unkel

Leider wurde das Familiengrab der Familie Unkel mittlerweile zurück gebaut. Sie betrieben im 18/19. Jahrhundert einen florierenden Handel mit heimischem Stein, Holz und sonstigen Baumaterialien auf dem großen Areal an „Unkels Eck“.

Den Grabstätten 14 – 16, ist gemeinsam, dass sie aus Weiberner Tuff gefertigt wurden, wodurch die Verbundenheit der Verstorbenen zu ihrer Heimat gezeigt wurde.

17. Ehrengrab Michael Strelkow

Das Ehrengrab, mit einem nicht alltäglichen Kreuzes-Typ, wird bis heute von der Bevölkerung als Ehrengrab gepflegt. Das Grab ziert ein hölzernes, russisches Kreuz und erinnert an einen verunfallten russischen Soldaten, welcher beim Transport, durch Sturz, ums Leben kam. Er war in einem Gefangenen-Lager in Limburg/Lahn.

Die verwitterte Aufschrift erinnert an einen Soldaten mit Namen Michael Strelkow, welcher am 11. Juni 1918, verstarb. Er stammte aus dem Ort Graktino im Gouvernement (Oblast) Twer.

Exkurs: Das sog. russische Kreuz ist das Kreuz der russisch-orthodoxen Kirche. Es hat zwei unterschiedlich lange Kreuzarme und einen schrägliegenden Fußarm, Der längere, obere Querbalken stilisiert die Kreuzigung Christi und der kürzere ist Fußstütze. Der schrägliegende Fußarm hat auch eine symbolische Deutung und steht für die Himmelfahrt Christi.

Hoffen wir, dass auch zukünftig die Pflege gesichert bleibt, denn „Über den Tod sind alle Menschen gleich“.

18. Grabstätte der Familie Caspar Grod

Ein marmornes Grabkreuz mit Postament, welches Mittelteil einer Grabstätte der Familie Caspar Grod war. Caspar Grod war ein namhafter Steinmetzbetrieb in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und hatte in seinen Werkhütten an der Chaussee zeitweise mehr als 100 Beschäftigte. Seine Schaffenszeit war nur von kurzer Dauer. 1842 geboren, verstarb er, gerade mal 50 Jahre alt, im Juni 1893 in Brohl. Sein Betrieb wurde jedoch noch bis ca. 1920 weitergeführt.

Er war nicht nur in seinem Beruf recht erfolgreich, darüber hinaus gehörte er von 1885 bis 1888 dem 33. Rheinischen Provinziallandtag an. In dem preußischen Ständeparlament war er einer von 25 Vertretern der Landgemeinden. Das Grod’che Haus an der Koblenzer, dort wo heute die Turnhalle steht, fiel 1962 einem Brand zum Opfer.

19. Grabdenkmal der Familie Anton Klein

Foto: Petra Fußhöller

Dieses Grabdenkmal, ist aus heimischem Tuffstein gefertigt, und ähnelt in seiner Formgestaltung keinem üblichen Grabmal. Eher ähnelt es einer Stele in rechteckiger Form und endet in einer pyramidenförmigen Dachform.

Die Familie Anton Klein, wohnte in der Bahnhofstraße. Anton Klein wurde in einem Adressbuch aus den 1920er Jahren als Bautechniker geführt. Sein Vater war Johann Klein, welcher Im Ort, der Unterscheidung wegen, besser als „de Strosse Klein“ bekannt war. Neben zwei kleinen Kreuzen ist ein handwerklich hervorragend ausgearbeitetes Blumenrelief der zentrale Mittelpunkt der Grabanlage. Dieses symbolisiert den Kreislauf des Lebens, eine ewige Liebe und Verbundenheit über den Tod hinaus.

Nachbetrachtung

Vieles ist im Laufe der Jahre unbeachtet zurückgebaut worden, ohne dabei auf den künstlerischen Wert Rücksicht zu nehmen. Grabmäler sind Denkmäler und schützenswert, dabei bedürfen Klein-Denkmäler eines besonderen Schutzes, welche durch den §3 Denkmalschutzgesetz (DSchG) geregelt ist. Dieses gilt unabhängig von einem Eintrag in eine Denkmal-Liste. Zu beachten ist auch, dass Objekte, welche nicht gelistet sind, ein Denkmal sind. Denkmäler sollten auch gegen Raub und Diebstahl vor Ort gesichert werden.

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