In diesen Tagen wurde durch unseren Verein damit begonnen, Straßenzusatzschilder in den beiden Ortsteilen anzubringen. Damit wurde eine Idee aus den Reihen der Mitglieder umgesetzt einerseits Straßenbezeichnungen zu erläutern oder aber auf historische Vorgängerbezeichnungen hinzuweisen wovon das nachfolgende Foto zeugt.

Dazu haben unsere Vereinsmitglieder Werner Fußhöller und Achim Schmitz recherchiert und nachfolgenden Artikel verfasst.
Straßennamen – Ein Spiegelbild der örtlichen Identität
von Werner Fußhöller und Achim Schmitz
Seit wann gibt es Straßennamen?
Straßen- und Flurnamen waren schon Inhalt der in den 1820er Jahren entstandenen Urkatasterplänen. Sie stellten schon über Jahrhunderte Orientierungshilfen dar und spiegelten den damaligen Zeitgeist wider. Sie waren das kulturelle Gedächtnis.
Historische Personen und örtliche Gegebenheiten dienten zur Namensfindung und waren richtungsweisende Unterscheidungsmerkmale und Orientierungshilfen. Heute mehr denn je. Mit zunehmender Einwohnerzahl in den Städten und Dörfer, und der damit auch zwangsläufig mitwachsenden Verwaltungsarbeit, war eine Erfassung nach Straßenzügen und einer durchlaufenden Nummerierung pro Straße unaufhaltsam. Erst nach einem Runderlass des Reichs-Innenministeriums vom 9. Mai 1933 wurde es zur Pflicht. Diese Aufgabe sollte von der jeweiligen Ortspolizei, im Einklang mit den Gemeindegremien, erfolgen.
Heute ist die Benennung von öffentlichen Plätzen und Straßen eine ureigene Selbstverwaltungsaufgabe der einzelnen Kommunen, welche mit einem Ratsbeschluss zur Widmung zur Rechtskraft führt. Hierbei ist bei der Namensgebung auf das heutige demokratische Grundverständnis zu achten.
Gegenwärtig wird dieses für das Land Rheinland-Pfalz in der Gemeindeordnung (GemO) in §2 geregelt. So sollte die „Benennung der öffentlichen Straßen, Plätze und Brücken innerhalb der Gemeindegebiete, sowie die Zuordnung von Hausnummern“ eine Entscheidung der Gemeindegremien sein. Hierbei sollte jedoch darauf geachtet werden das die Namen in den Gemeinden nur einmal auftreten. Personenbezogene Namensgebungen sollten erst nach dem Tod und in einem zeitlichen Abstand erfolgen.
Die Zusammenlegung der ehemals selbstständigen Orte Brohl und Niederlützingen, im Jahr 1970, führte dazu, dass es viele gleichlautende Straßen oder Wege gab. Hierzu fanden die neuen Gremien eine einvernehmliche Lösung, auch wenn einige Namen recht ideenlos sind und wie eingangs erwähnt, keinen historischen Zusammenhang im Bezug auf alte Flurnamen oder örtliche Gegebenheiten widerspiegeln.
So führte die Zusammenlegung der Orte dazu, dass es gleiche Straßennamen in beiden Ortsteilen gab, mit der Folge, dass einige Straßen neue Namen benötigten. Dazu griff man auch auf Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens in beiden Ortsteilen zurück.
Dieses nahm der Brohler Kulturverein „Katharina“, mit ihrem rührigen Vorstand sich zu eigen, eine Idee aus den Reihen ihre Mitglieder, umzusetzen und brachte nun Zusatzschilder an ausgewählten Straßenbezeichnungen an.
ORTSTEIL BROHL
„Braunsbergweg“
Der Name geht zurück auf die Herren von Braunsberg, welche ihren Stammsitz auf der gleichnamigen Burg über Anhausen/Kreis Neuwied hatten.
Sie waren ein niederes Adelsgeschlecht und verdingten sich als Vögte und Amtmänner, so war es ein Dietrich von Braunsberg (um 1575-1623), welcher bis zu seinem Tode als Amtmann mit der Verwaltung des „Breisiger Ländchen“ betraut war. Nach dem allzu frühen Tod am 11.Dezember 1623 überließ die damalige Fürstäbtissin des Damenstiftes in Essen, den beiden Mündel Dietrich jr. und Anna Elisabeth. die fruchtbaren Flächen unterhalb des Eiberges zur wirtschaftlichen Nutzung und Versorgung.
Nach einer Arrondierung der Flurstücke „Auf’m Braunsberg“, „In der Traßkaul“ und einer Teilfläche der Flur „Auf dem Acker“, wurde hieraus das zusammenhängende Baugebiet „Braunsbergweg.“
Der Weg war bis in die 1960er Jahre noch unbefestigt und ohne Gehweg und wurde später in zwei Bauabschnitten voll ausgebaut In der Zeit des „Tausendjährigen Reiches“ hieß der Weg, nach einer Verordnung des Reichsministeriums von Juli 1933, Adolf-Hitler-Weg. Man folgte damit den „Grundsätzen für die Straßennamen“, wonach in den Städten und Orten des Reiches eine Straße oder Platz den Namen des „Führers“ tragen sollte.
Im Zuge politisch-demokratischen Neuordnung nach dem verlorenen II. Weltkrieg befreite man sich umgehend von den politischen Lasten dieser Zeit.
Fortan war es der Braunsbergweg.
„Am Fuggersberg“
Die heutige Bergstraße, am Fuße des Eibergs gelegen, trug einst den Namen „Am Fuggersberg“ von der Anwesenheit von Bergleuten der Augsburger Handelsfamilie Fugger herrührend. Diese schürften um 1600 in den Hängen des Eibergs nach Kupfererz. Weitere Versuche von verschieden Konsorten, im Laufe der folgenden Jahrhunderte, waren ebenfalls nicht von Erfolg gekrönt
„Johann-Jacobs-Straße“
Dieser Name ist mit Brohl und seiner landschaftlichen Umgebung auf das engste verbunden. Als Heimatfreund und ein rastloser Arbeiter und Forscher in dem Brohltal fasste er all seine Schaffenskraft in den Wortlaut des Brohltal-Liedes. „Dich grüß ich und preis‘ ich, du herrliches Land…..“
Johann Jacobs wurde am 13. Juli 1868 in Peterswald/Hunsrück geboren, er war nach seinem Studium zuerst 18 Jahre Lehrer in Niederzissen und von 1906 bis zu seinem Tod am 12. November 1914 Lehrer in der Volksschule in Brohl.
„Josef-Leusch-Straße“
Die ehemalige Haupt- und Kirchstraße, wie sie bis zur Zusammenlegung der ehemals selbstständigen Gemeinden Brohl und Niederlützingen hieß, trägt heute den Namen des Mannes, welcher von 1884 bis zu seinem Tod, am 10. November 1919 als Pfarrer von Brohl seinen Dienst versah. Er wurde am 8.Mai 1850 in Mastershausen/Hunsrück geboren und erhielt seine priesterliche Weihe am 30. August 1873.
Da er sich schon sehr früh den von der Kgl. Preußischen Regierung erlassenen Gesetzen, welche zu dem sogenannten „Kulturkampf“ führten, widersetzt, wurde ihm das Recht zur Ausübung seines Amtes untersagt. Fortan verdient er sich als Hilfsgeistlicher in dem Moselort Kinheim, ehe er sich, um einer Strafverfolgung zu entgehen, im Herbst 1874 in das bayrische, Exil nach Würzburg absetzte. Später wirkte er in verschiedene Pfarreien in der Diözese Augsburg als Hilfsgeistlicher, mit eingeschränkten Befugnissen. Am 8. Mai 1884 wurde ihm seine erste und einzige Pfarrstelle in Brohl zugewiesen, zuerst als Hilfsgeistlicher, mit eingeschränkten Befugnissen, und ab dem 2. August 1884 als Pfarrer von Brohl.
Unter seiner Ägide wurde in der Zeit von 1888 bis 1891 die heutige neugotische Pfarrkirche St. Johannes der Täufer errichtet.
Nach einem segensreichen Leben verstarb er am 10. November 1919 in Brohl.
„Leo-Stausberg-Straße“ – Ehemalige Schul-Straße
Die Gemeinde Brohl-Lützing widmete dem Heimatforscher aus Passion und hochgeschätzten Pädagogen vorgenannten Straßenzug als Dank und Anerkennung für seine Arbeiten im öffentlichen Interesse.
Leo Stausberg wurde am 21.Januar 1901, als Sohn des Eisenbahn-Assistenten Ferdinand Stausberg in Brohl geboren und wirkte 40 Jahre segensreich als Lehrer und Schulrektor in Köln und Ringen, ehe ihn sein Weg 1949 wieder zurück in seinen Geburtsort führte, wo er bis 1965 als Rektor der Volksschule wirkte. Er verstarb am 28. Februar 1968 und hat ein Ehrengrab auf dem Friedhof in Brohl.
Die Verse seines Gedichtes „Ahnenerbe“ spiegeln das Leben des Freundes unserer Heimat wieder.
Leo Stausberg war zudem von April 1963 bis Herbst 1964 Ortsbürgermeister der ehemals selbstständigen Gemeinde Brohl.
„Oranienstraße“
Der Name kommt von der „Oranien-Quelle“, dem heutigen „Brohler Mineralbrunnen“.
Die Anfänge des heutigen Brunnens wurden auf einem Grundstück zwischen Cöln-Coblenzer-Chaussee und der Eisenbahn-Trasse im Jahr 1908 von dem Brohler Partikulier-Schiffer Johann Weber erbohrt. Zu Finanzierung gründete Weber mit Interessenten aus Duisburger Schifferkreisen die „Gewerkschaft Nanny“. Der Brunnenbetrieb florierte in den kommenden Jahren so, dass der Ruhrorter Reeder Carl Schroers im Jahr 1919 den Brunnen in eigene Regie brachte. Die Familien Schroers/Schilling führten und führen den Brunnenbetrieb zur heutigen Blüte.
Der Name „Oranien-Quelle“ ist eine Reminiszenz an das niederländische Königshaus. Man hoffte hiermit den niederländischen Markt für sich zu gewinnen.
„Kühtränke“
Die „Kühtränke“ ist heute ebenfalls ein Teil der Lützinger Straße. Sie war bis zur Gebietsreform und Zusammenlegung der beiden Orte eine Niederlützinger Flur, die sich fast ausschließlich im Brohler Besitz und Nutzung befand. Neben Obstwiesen war es Weidefläche für den geringen Viehbestand der Brohler Landwirte oder Ackerer, wie man sie früher nannte. Eine saure Wiesenfläche, mit mehreren Wasserstellen, wird wohl der Namensgeber gewesen sein.
ORTSTEIL NIEDERLÜTZINGEN
„Pater-Paulsen-Straße“ erinnert an Pater Anton Paulsen OMI. Pater und Missionar von 1928 bis 1987 in Soweto/Südafrika wo der 1903 in Niederlützingen geborene 1987 verstarb. Er ist Ehrenbürger der Ortsgemeinde Brohl-Lützing.
„Fritz Beck-Straße“ – Die unter seiner Ägide gebaute Fritz-Beck-Str. trägt seinen Namen und erinnert an den 1871 in Nittel/Mosel geborenen Amtsbürgermeister von Burgbrohl, der hier von 1911 – 1934 tätig war und im Jahre 1945 in Burgbrohl verstarb.
Der Kulturverein wird auch weiterhin durch Schilder, Historientafeln und Veröffentlichungen das kulturelle Erbe von Brohl-Lützing würdigen und damit in Erinnerung bewahren













